Kapitalmarkt in rauer See

Wie ein Segelschiff auf rauer See, kämpft der Kapitalmarkt derzeit mit reichlich Gegenwind. Ähnlich wie eine Sturm-Tief-Serie auf der Nordsee im Herbst fegen der Krieg in der Ukraine, die Inflations- und Zinssorgen, die Lieferengpässe bei Gütern, der Personalmangel und die Ängste um eine verlässliche Energieversorgung nahezu gleichzeitig über den Kapitalmarkt.

Kapitalmarkt in rauer See

Wie ein Segelschiff auf rauer See, kämpft der Kapitalmarkt derzeit mit reichlich Gegenwind. Ähnlich wie eine Sturm-Tief-Serie auf der Nordsee im Herbst fegen der Krieg in der Ukraine, die Inflations- und Zinssorgen, die Lieferengpässe bei Gütern, der Personalmangel und die Ängste um eine verlässliche Energieversorgung nahezu gleichzeitig über den Kapitalmarkt. Für die Investoren leider ein fast perfekter Sturm. Die Charts werden zu wilden Wellen und erinnern aktuell teils schon fast an Wasserfälle. Was soll man als Anleger tun? Das Schiff – respektive das Investment aufgeben und sich zurückziehen, den Kurs radikal ändern oder mit Blick nach vorne – die nächsten 6-12 Monate - den Kurs halten?

Leider sind viele Anleger in solchen Phasen schnell entmutigt und lassen sich vom Tagesgeschehen und der kurzfristigen Aktualität der Ereignisse von ihrem Kurs abbringen und behalten nicht das Wesentliche ihrer langfristigen Anlagestrategie im Auge.

Was spricht denn mittel- und langfristig für das Beibehalten des Kurses und das gezielte Nachsteuern durch Korrekturen am Segel und Ruder – also kleinen Anpassungen an der Strategie ohne radikalen Kurswechsel?

Klar ist die größte Unwägbarkeit aktuell der Krieg in der Ukraine. Hier Prognosen über den weiteren Verlauf anzustellen, übersteigt unsere Fähigkeiten. Man kann für die Menschen auf beiden Seiten der Frontlinien nur auf ein schnelles Ende hoffen. Hier der Blick nach vorne - ein Ende der Kampfhandlungen brächte auch eine Beruhigung der Kapitalmärkte mit sich.

Die Inflation wird weiterhin überwiegend von den Energie- und den Lebensmittelpreisen getrieben. Die aktuellen Zahlen vom Arbeitsmarkt in Europa und den USA zeigen bisher noch keinen Inflations-Effekt bei den Löhnen, so dass die befürchtete Lohn-Preis-Spirale nicht da ist. Zudem konnten viele Firmen die gestiegenen Preise an die Abnehmer weitergeben, so dass die Auswirkungen auf die GuV der Firmen teils nicht so stark sind, wie es viele Analysten im Laufe des ersten Quartals noch befürchtet hatten. Hier der Blick nach vorne - auf Grund des Basiseffekts ist mit einem deutlichen Rückgang des Inflationsanstiegs zu rechnen. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir Preisrückgänge haben werden, vielmehr werden wir nach dem Preissprung der letzten Monate auf höherem Niveau verharren.

Die Sorgen um Zinsanstiege haben im Laufe des Aprils die Kurse auf Talfahrt geschickt und u.a. bei S&P 500 für den schlechtesten Jahresstart seit über 70 Jahren gesorgt. Vor der letzten Notenbanksitzung des FED wurde sogar über eine Zinserhöhung von 75 Basispunkten diskutiert. Diese kam nicht und der weitere Zinskorridor wurde seitens des FED sehr klar kommuniziert. Auch die EZB versucht die Investoren durch ausführliche Kommunikation auf einen steigenden Zinspfad vorzubereiten. Hier der Blick nach vorne – kurzfristig belasten Zinsanstiege auf beiden Seiten des Atlantiks – bieten aber mittelfristig die Chance, dass Rentenpapiere wieder relevante Beiträge fürs Depot liefern können und Diversifikation zwischen Aktien und Renten wieder besser funktioniert.

Der Blick in die Bücher der Firmen zum Ende des 1. Quartals war größtenteils positiv und von Analysten befürchtete größere negative Überraschungen blieben aus. Für die Unternehmen stellen die Lieferketten und die Personalsorgen derzeit große Herausforderungen dar – weniger die Akquise von Absatzmärkten und Kunden. Hier der Blick nach vorne – die Lieferengpässe werden sich durch stärkere Reintegration und Diversifikation der Lieferketten und Auslaufen den Pandemie-Bekämpfung beruhigen, so dass die Unternehmen die anhaltend gute Nachfrage bedienen können und auch Nachholeffekte die Bücher weiter füllen dürften.

Die Sorgen um die Energieversorgung – v.a. in Europa – bewegen die Märkte. Neben den bereits vor dem Krieg bestehenden Ziel der Klimaneutralität beeinflusst die geänderte Geostrategie bei der Beschaffung den Umgang mit Kohlenstoff-basierten Energieträgern. Kurzfristig belasten die gestiegenen Kosten die Margen der Firmen und die Geldbeutel der Privathaushalte. Hier der Blick nach vorne – der Preissprung für Öl, Gas und Kohle macht regenerative Energien, Energieeinsparung und alternative Antriebsformen attraktiver. Dies führt zu stärkeren Investitionen und Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien und Elektrifizierung. Mittel- und längerfristig ergeben sich hier für Firmen und Privathaushalte deutliche Kosteneinspareffekte, wenn weniger Gas, Öl & Co substituiert werden.

Welche weiteren Punkte sind die Leuchtfeuer, an denen man sich als Kapitän seines Portfolios orientieren kann:

  • Durch die Kursrückgänge der letzten Monate sind Übertreibungen abgebaut und die Bewertungen der Unternehmen werden attraktiver
  • Zahlen Q1/2022 und Ausblick für den Rest des Jahres positiver als erwartet
  • Ergebnisse 2021 waren sehr gut und viele Unternehmen schütten höhere Dividenden aus
  • Renditevorteil der Dividenden-Titel gegenüber Zinsanlagen weiterhin attraktiv
  • Historisch bietet die Beteiligung an substanzstarken Unternehmen den besten Schutz vor Inflation
  • Substanzstarke Unternehmen mit stabilen Dividenden bleiben bei Investoren weiter gefragt
  • Die Weltbevölkerung wächst und damit die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen
  • Digitalisierung und Dekarbonisierung sind mittelfristig Wachstumstreiber
  • Wachstums in Asien derzeit v.a. in China durch Covid-Lockdowns gedrosselt, Nachholeffekte werden Wachstum in der 2. Jahreshälfte stärken
  • Weiterhin hohe Liquiditäts-Bestände bei institutionellen und privaten Investoren, die nach Anlagen suchen
  • Kühl rechnende Investoren begeben sich auf Grund der günstigeren Bewertungen auf Schnäppchenjagd

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